Fridolin Reiser
deutsch-österreichischer Montaningenieur und Metallurge
Pionier auf dem Gebiet des Tiegelgussstahls
* 16. März 1843 in Gammertingen
† 16. Januar 1909 in Leoben
Vater: Heinrich Reiser
Entwicklung der Stahlindustrie in der Steiermark jener Zeit
Als mit der Umstellung vom fast handwerklichen Hammerbetrieb zum Industriebetrieb seit dem zweiten Drittel des vorigen Jahrhunderts die alten Gewerkenfamilien fast vollständig aus dem steirischen Eisenwesen verschwanden, traten neue Männer, neue Namen auf den Plan. In den meisten Fällen wurden mehrere alte Hammerwerke zu einem neuen industriellen Unternehmen zusammengefasst. Aus dieser Zeit haben sich die Namen der Gründer und Eigentümer in der Überlieferung erhalten. Bis vor wenigen Jahren trugen die Firmen zum Teil noch ihre Namen, obwohl sie längst in Aktiengesellschaften umgewandelt waren und mit den Gründerfamilien nichts mehr zu tun hatten. Als Ausnahme konnte die Österreichisch-Alpine Montangesellschaft gelten, die aus der seit 1625 bestehenden Innerberger Hauptgewerkschaft hervorgegangen war und deren Name sich in der Zusammensetzung VOEST-Alpine erhalten hat.
In der Anfangszeit waren die Eigentümer der jungen Fabriken vielfach auch deren technische Leiter. Sehr bald nahmen die Werke aber einen derartigen Umfang an, dass eine besondere technische Leitung notwendig wurde. Von diesen Männern des zweiten Gliedes ist heute kaum noch etwas bekannt, obwohl gerade ihnen ein wesentlicher Anteil an dem technischen Ausbau der Industrie und der Verbesserung der Produkte zukam. Ein solcher Mann der zweiten Linie war Fridolin Reiser, der die k.k. privilegierte Gußstahlfabrik in Kapfenberg 40 Jahre leitete.
Wie viele andere Industrielle in der Steiermark dieser Zeit stammte Reiser aus Deutschland, wo er am 16. März 1843 in Gammertingen geboren wurde. Gammertingen liegt in Hohenzollern, dass damals eine preußische Enklave im Königreich Württemberg war. Infolgedessen wurde Reiser bei seinem Eintritt in die Bergakademie Leoben als Preuße bezeichnet, dem Stamme nach war er Schwabe. Die Vorfahren Reisers lassen sich bis gegen das Ende des 17. Jahrhunderts in Gammertingen zurückverfolgen.
Quelle: Auszug von CARL-HERMANN COLSHORN, Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark Jahrgang 71 (1980)
1861 bis 1865
Bergakademie in Leoben studierte bei Peter Tunner
Anschließend arbeitete als Markscheider.
Studienreise nach Sireuil zu Pierre-Émile Martin (1864 mit dem deutschen Ingenieur Carl Wilhelm Siemens entwickelte neuartigen Stahlhochofen): technisches Knowhow
1868
Hüttenverwalter der Gussstahlfabrik in Kapfenberg
Bau des ersten Siemens-Martin-Ofens im deutschen Sprachraum
1876
Erfand den geheizten Tonaufsatz auf die Kokille, ein Verfahren, das noch heute im Blockguss Verwendung findet
1881
Metallurgischen Forschungen im Standardwerk:
Das Härten des Stahles in Theorie und Praxis
bis 1932
Erfuhr immer wieder neue Auflagen und zahlreiche Übersetzungen.
Reiser hatte wesentlichen Anteil am technischen Ausbau der österreichischen Stahlindustrie und an der Verbesserung ihrer Produktion
ab 1872
Innerberger Hauptgewerkschaft
ab 1881
Österreichisch-Alpinen-Montan-Gesellschaft
Ab 1894
Gebr. Böhler & Co. AG.
1898
Bergrat
1900
Rapid-Stahl, einen Schnellarbeitsstahl
1903
Mit Josef Spüller von der Poldihütte neue Theorie der Legierungskarbidbildung im Schnellarbeitsstahl
1908
Oberbergrat
Quelle: Wikipedia, Zeitschrift des Historischen Vereines für Steiermark Jahrgang 71 (1980)